Staatliches Abhörkonzept
Verfasst: Mo 30 Jun 2008 18:22
Den Text hatte ich schon an anderer Stelle mal gepostet, aber möglicherweise interessiert es euch ja auch:
Hallo zusammen,
ich bin ja, wie sicherlich allgemein bekannt, kein großer Fan von Verschwörungstheorien. Das liegt weniger daran, das die Ideen dahinter nicht faszinierend wären als daran, das ich beim abklopfen solcher Theorien immer auf große Lücken stoße. Das heißt aber nicht, das es keine Verschwörungen gäbe. Echte Verschwörungen zeichnen sich letztlich dadurch aus, das niemand davon Wind bekommt. Ergo ist es relativ unwahrscheinlich, das irgendeine der hundertausendfach diskutierten, altbekannten Theorien zutrifft. Darum wollte ich euch heute mal etwas ganz anderes vorstellen. Ich wünsche viel Spaß.
Sicherlich hat jeder schon mal etwas vom Bundestrojaner gehört. Meistens höre ich dann Dinge wie "Auf mein System kommt sowas nicht drauf" oder "Lächerlich, das würde ich ruckzuck bemerken!". Nun, ich behaupte, das würde niemand bemerken. Man muss nur richtig vorgehen.
Der größte Fehler, den Leute begehen, wenn sie an den Bundestrojaner denken ist, das man sich einen Hacker vorstellt, der irgendwo vor seinem Rechner hockt und mittels irgendwelcher Tricks einen Trojaner auf einen Rechner installiert. Nur - warum so kompliziert? Geht doch viel einfacher!
Wir reden ja vom Staat. Der hat die tollsten Befugnisse und jede Menge Geld zur Verfügung. Warum also sollte sich der Staat nicht einfach in den Deutschen Internetknotenpunkt einklinken? Wenn er das tut, kann er Datenpakete mithören, kopieren und austauschen. Ihr ladet euch den neusten Firefox runter? Ein Windows Update? Tja - ist das denn wirklich nur das, was es zu sein scheint? Oder hat jemand die Pakete manipuliert und man installiert sich den Bundestrojaner? Exakt abgestimmt auf das System, angepasst an die Firewall und den Virenscanner?
Weit hergeholt? OK, dann komme ich jetzt mal zu den Fakten.
Wie man am 23.09.2006 in der ct lesen konnte, plante unser aller geliebter Schäuble die Einrichtung einer "Internet Monitoring und Analysestelle". Wenn man den Bericht liest, klingt das vergleichsweise harmlos:
heise.de
Ich meine - hey, wir sprechen doch bloß von ein paar Typen, die rumsurfen und sich Webseiten angucken. Genau! Darum soll der Spaß auch 139 Millionen Euro verschlingen:
heise.de
139 Millionen Euro für einen Satz Rechner und einen Sack voll Angestellten? Hmmm... Ob unser Herr Schäuble vielleicht etwas ganz anderes im Sinn hat?
Wie man am 25.10.2006 lesen konnte, rüstet der Deutsche Internetknotenpunkt DE CIX, über den auch die Datenpakete dieses Postings liefen, seine Router um. Dort arbeitet man jetzt nicht mehr mit Cisco sondern mit Routern von Force 10 Networks:
heise.de
Und jetzt wird es spannend: Force 10 Networks liefert auch Router an die NSA. Die P-Series dieser Router enthält eine Funktion mit der Bezeichnung lawfully authorized electronic surveillance and CALEA applications. Damit hört die NSA den Internetdatenverkehr der gesamten USA ab. Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist ein offizieller, aktenkundiger und vom Gericht anerkannter Fakt:
orf.at
Ich höre schon die ersten Unkenrufe. "Ich nutze ein VPN" - ahja. Dann hoffe ich mal, das die VPN-User keine Deutschen Seiten aufrufen. Oder eigentlich europäische, den auch wenn der Knotenpunkt DE CIX heisst, so läuft nicht nur der Deutsche Datenverkehr darüber. Zudem lässt sich jede Datenübertragung mithilfe der Force 10 Geräte stören. Schon blöd, wenn die Datenrate bei einem Kilobyte liegt und man sich ein paar hundert MB Updates runterladen will. Naja, Updates will ja keiner verheimlichen. Also schaltet man sein VPN aus.
Ihr habt eine Firewall, die auch die Interprozesskommunikation überwacht? Das ist natürlich fein (wenn auch irre aufwändig; zudem dürften nur die wenigsten Leute verstehen, was sie da tun). Nun, wie auch immer, ich hoffe ihr fahrt die Updates für die Firewall über ein VPN. Naja, wenn das geht, heisst das. Ansonsten ist nämlich bekannt, mit welcher Firewall ihr arbeitet. Und bekanntermaßen haben auch Firewalls Lücken.
Aber das ist ja alles total weit hergeholt. Denn immerhin müsste der Staat dafür unbekannte Sicherheitslücken sammeln, und die kann man nur in den finstersten Ecken des Internets besorgen. Und das würde der Staat natürlich niemals tun. Überhaupt, sowas gibt es nicht. Oder etwa doch?
Natürlich lässt sich mit so einem gehackten Rechner einiges anstellen. Ihr habt eine Webcam? Super! Das spart dem Staat eine Menge Geld. Eine Webcam mit Mikro? Perfekt!
Ich wünsche euch noch ein schönes Jahr 1984...
Hallo zusammen,
ich bin ja, wie sicherlich allgemein bekannt, kein großer Fan von Verschwörungstheorien. Das liegt weniger daran, das die Ideen dahinter nicht faszinierend wären als daran, das ich beim abklopfen solcher Theorien immer auf große Lücken stoße. Das heißt aber nicht, das es keine Verschwörungen gäbe. Echte Verschwörungen zeichnen sich letztlich dadurch aus, das niemand davon Wind bekommt. Ergo ist es relativ unwahrscheinlich, das irgendeine der hundertausendfach diskutierten, altbekannten Theorien zutrifft. Darum wollte ich euch heute mal etwas ganz anderes vorstellen. Ich wünsche viel Spaß.
Sicherlich hat jeder schon mal etwas vom Bundestrojaner gehört. Meistens höre ich dann Dinge wie "Auf mein System kommt sowas nicht drauf" oder "Lächerlich, das würde ich ruckzuck bemerken!". Nun, ich behaupte, das würde niemand bemerken. Man muss nur richtig vorgehen.
Der größte Fehler, den Leute begehen, wenn sie an den Bundestrojaner denken ist, das man sich einen Hacker vorstellt, der irgendwo vor seinem Rechner hockt und mittels irgendwelcher Tricks einen Trojaner auf einen Rechner installiert. Nur - warum so kompliziert? Geht doch viel einfacher!
Wir reden ja vom Staat. Der hat die tollsten Befugnisse und jede Menge Geld zur Verfügung. Warum also sollte sich der Staat nicht einfach in den Deutschen Internetknotenpunkt einklinken? Wenn er das tut, kann er Datenpakete mithören, kopieren und austauschen. Ihr ladet euch den neusten Firefox runter? Ein Windows Update? Tja - ist das denn wirklich nur das, was es zu sein scheint? Oder hat jemand die Pakete manipuliert und man installiert sich den Bundestrojaner? Exakt abgestimmt auf das System, angepasst an die Firewall und den Virenscanner?
Weit hergeholt? OK, dann komme ich jetzt mal zu den Fakten.
Wie man am 23.09.2006 in der ct lesen konnte, plante unser aller geliebter Schäuble die Einrichtung einer "Internet Monitoring und Analysestelle". Wenn man den Bericht liest, klingt das vergleichsweise harmlos:
heise.de
Ich meine - hey, wir sprechen doch bloß von ein paar Typen, die rumsurfen und sich Webseiten angucken. Genau! Darum soll der Spaß auch 139 Millionen Euro verschlingen:
heise.de
139 Millionen Euro für einen Satz Rechner und einen Sack voll Angestellten? Hmmm... Ob unser Herr Schäuble vielleicht etwas ganz anderes im Sinn hat?
Wie man am 25.10.2006 lesen konnte, rüstet der Deutsche Internetknotenpunkt DE CIX, über den auch die Datenpakete dieses Postings liefen, seine Router um. Dort arbeitet man jetzt nicht mehr mit Cisco sondern mit Routern von Force 10 Networks:
heise.de
Und jetzt wird es spannend: Force 10 Networks liefert auch Router an die NSA. Die P-Series dieser Router enthält eine Funktion mit der Bezeichnung lawfully authorized electronic surveillance and CALEA applications. Damit hört die NSA den Internetdatenverkehr der gesamten USA ab. Und nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist ein offizieller, aktenkundiger und vom Gericht anerkannter Fakt:
orf.at
Ich höre schon die ersten Unkenrufe. "Ich nutze ein VPN" - ahja. Dann hoffe ich mal, das die VPN-User keine Deutschen Seiten aufrufen. Oder eigentlich europäische, den auch wenn der Knotenpunkt DE CIX heisst, so läuft nicht nur der Deutsche Datenverkehr darüber. Zudem lässt sich jede Datenübertragung mithilfe der Force 10 Geräte stören. Schon blöd, wenn die Datenrate bei einem Kilobyte liegt und man sich ein paar hundert MB Updates runterladen will. Naja, Updates will ja keiner verheimlichen. Also schaltet man sein VPN aus.
Ihr habt eine Firewall, die auch die Interprozesskommunikation überwacht? Das ist natürlich fein (wenn auch irre aufwändig; zudem dürften nur die wenigsten Leute verstehen, was sie da tun). Nun, wie auch immer, ich hoffe ihr fahrt die Updates für die Firewall über ein VPN. Naja, wenn das geht, heisst das. Ansonsten ist nämlich bekannt, mit welcher Firewall ihr arbeitet. Und bekanntermaßen haben auch Firewalls Lücken.
Aber das ist ja alles total weit hergeholt. Denn immerhin müsste der Staat dafür unbekannte Sicherheitslücken sammeln, und die kann man nur in den finstersten Ecken des Internets besorgen. Und das würde der Staat natürlich niemals tun. Überhaupt, sowas gibt es nicht. Oder etwa doch?
Natürlich lässt sich mit so einem gehackten Rechner einiges anstellen. Ihr habt eine Webcam? Super! Das spart dem Staat eine Menge Geld. Eine Webcam mit Mikro? Perfekt!
Ich wünsche euch noch ein schönes Jahr 1984...