Homo cosmicus

Was woanders nicht reinpasst...
edeka
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Homo cosmicus

Beitragvon edeka » Di 21 Aug 2012 14:27

Hallo zusammen

Mein Beitrag geht in eine ähnliche Richtung wie der von ralander (= jesus-avatar). Eine ganze Weile schon beschäftigt mich die Frage, was unsere Zukunft werden könnte, was wäre, wenn wir uns nicht selbst vernichten oder durch eine (Natur-)Katastrophe vernichtet werden (in dem Fall hätte sich mein Beitrag erledigt):

Gastbeitrag "Homo cosmicus"
Der Energieverbrauch der Menschheit steigt seit 60 Jahren um einige Prozent pro Jahr exponentiell an und liegt z.Z. bei etwa 10hoch13 Watt; selbst wenn man von einer Zunahme von nur 1% pro Jahr ausgeht, erreicht die Leistungsaufnahme in 3,2 Kilojahren die gesamte abgestrahlte Leistung der Sonne von 4 x 10hoch26 W und in 5,8 Kilojahren die von unserer Galaxis abgegebene. Die von uns verarbeitete Informationsmenge wird bei 10% Zuwachs pro Jahr in 2 Kilojahren um das 10hoch80 fache zugenommen haben und würde - in Bit gemessen - die Anzahl der Atome in der "Metagalaxis", d.h. in dem beobachtbaren Teil des Universums weit übertreffen und könnte daher auch in keinem materiellen Speicher mehr untergebracht werden.
Diese exponentielle Zunahme gilt auch für die Bevölkerungsentwicklung: bei 10t Materie pro Person würden wir bei 4% Zuwachs pro Jahr in 2 Kilojahren die Masse von 10hoch7 Galaxien benötigen! Menschliche Aktivität kann über menschliche Zeiträume extrapoliert zu Aktivitäten von kosmischen Ausmaßen führen.

Superzivilisationen
Eine Typ-0-Zivilisation wie wir bezieht ihre Energie größtenteils aus fossilen Brennstoffen und noch aus der rohen Muskelkraft. Unsere Computer können noch nicht einmal das Wetter vorhersagen, von einer Kontrolle ganz zu schweigen.
Optimistisch gesehen befindet sich unsere Zivilisation jedoch im Übergang zum Kardashev-Typ I, die physikalische Grundgesetze nutzt und Energie für interstellare Kommunikation aufwendet. Weiterhin verfügt eine Typ-I-Zivilisation über planetare Ressourcen und hat einen Energieumsatz von 1 TW bis 10 TW (= 10hoch12 bis 10hoch13 W). Sie setzt Leistungen um, die vergleichbar mit der sind, die der Planet X von der Sonne Y empfängt; sie verfügt über die Energiequellen eines ganzen Planeten. Eine solche Kardashev-Zivilisation beherrscht das Wetter, verhindert aktiv Erdbeben, baut Rohstoffvorkommen eventuell tief in der "Erdrinde" oder im Planetensystem ab und macht sich den Reichtum der Weltmeere zunutze. Sie hat die Erforschung ihres Sonnensystems bereits abgeschlossen. Wahrscheinlich hat sie Stützpunkte oder sogar Kolonien auf anderen Planeten und Monden.
Würden unsere Nachfahren alle Planeten des Sonnensystems und die gesamte Energieabgabe der Sonne nutzen, wäre ein Wachstum um das Billionenfache möglich, dafür müßten jedoch riesige Strukturen - vielleicht von der Größe einiger Lichtsekunden bis Lichtminuten - im Sonnensystem errichtet werden, indem etwa die Planeten komplett zerlegt werden. Dann ließe sich prinzipiell die gesamte Masse eines Planetensystems und die gesamte Energie des jeweiligen Zentralsterns innerhalb einiger 10 Kilojahre nutzen. Dann verfügt sie über Energie in der Größenordnung von 10hoch26 W. Eine solch riesige Struktur wäre z.b. eine Dysonsphäre - eine immens große, sternenumhüllende Membran, mit der sich dessen Energie auffangen lässt. Diese transhumane Zivilisation würde die Energie ihrer Sonne damit total ausnutzen, außerdem könnte sie alle anderen Planeten innerhalb dieser Sphäre besiedeln, die sie noch nicht verbaut hat. Oder sie errichtet große künstliche Habitate. Ihre Ökosphäre würde sich mit dem Bau einer Dysonsphäre (benannt nach dem Physiker Freeman Dyson) enorm vergrößern und dem Gigafachen der Erdoberfläche entsprechen.
Sie wäre dann sukzessive zu einer Typ-III-Zivilisation geworden. Verglichen mit uns ist Typ III eine absolute Superzivilisation, da sie fähig ist, die gesamte Energie ihrer Galaxis zu steuern. Sie nutzt Milliarden Sternensysteme als Energiequelle. Mit den ihr zur Verfügung stehenden 10hoch34 W bis 10hoch37 W steigert sie ihre Energiegewinnung im Vergleich zu Typ II um das 10hoch8 bis 10hoch11 fache.
Sie könnte Planeten und Sterne umbauen, um diese an ihre eigenen Bedürfnisse anzupassen. Sie wird mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr rein biologisch sein, sondern ihre Technologie integriert haben (z.b. durch „Nanomedizin”); das heißt eine bio-technoide Mischung aus Lebewesen und automatischen selbstreproduzierenden Computern sein. Diese Computer- und Maschinenkulturen könnten die für bioide Lebensformen lethalen stellaren und galaktischen Strahlungszonen besiedeln.
Das Problem einer transhumanen Superzivilisation wäre nicht wie die Menschheit mit ihr zurecht kommt, sondern umgekehrt.
Aktivitäten einer Typ-III-Zivilisation wären nur noch durch physikalische Gesetze begrenzt.

Nanotechnologie
Mit Nanomaschinen wird Materie zu Software: über das Internet oder etwas ähnliches wird man nicht nur Software, sondern auch Hardware herunterladen können.
Mit molekularen Montagemaschinen lässt sich alles bauen, was die Gesetze der Physik nicht verbieten: Wolkenkratzer, Autos, Raumschiffe, Tiere (echte; keine Stofftiere - obwohl der Unterschied verschwindet), oder ein Diamanttunnel nach China. Jedes Atom wird am richtigen Platz sein, gesteuert durch ein Computerprogramm, das die molekulare Montage dirigiert. Durch Nanotech wird es möglich, die Welt auf halber Strecke zwischen Atom und Kosmos neu zu erschaffen. Aber weshalb keine biologische Nanofabrikation, warum ein Neuanfang? Weil Biomaschinen wie zelluläre Ribosomen, Enzyme und ähnliche blind und zufällig arbeiten, und jede Neuentwicklung auf alten Versuchen aufbaut - keine optimale Strategie für maximale Endprodukte.
Bei der molekularen Nanofabrikation oder kurz „Nanotech” geht es um Maschinen und Werkzeuge, die so „groß” sind wie Moleküle, also einige 100 oder 1000 Atome umfassen, die sich im Idealfall selbst vervielfältigen können, Anweisungen befolgen, und letztendlich alles herstellen können, was man sich nur vorstellen kann. Und das - im Idealfall - auch aus Abfall.
Nanotech ist eine Herstellungstechnologie, die billig und mit molekularer beziehungsweise atomarer Präzision die meisten Strukturen fertigen kann, die mit den physikalischen Gesetzen in Einklang stehen, denn diese sprechen nicht gegen die Möglichkeit, einzelne Atome zu bewegen; es ist nur deshalb noch nicht umgesetzte worden, weil wir zu groß sind. Materie auf Nanoebene zu kontrollieren impliziert den Aufbau von Maschinen - Atom für Atom. Bei der Nanotechnik werden ultragenaue und superstarke Werkzeuge gezüchtet, aber auch alles Weitere, was man haben möchte. Nanotechnik könnte schließlich eine „Wunschmaschine” hervorbringen, die alles Erdenkbare erzeugt, solange sie Anweisungen und Rohstoffe bekommt. Durch die Kontrolle der "Natur" auf molekularer Ebene werden eine billige und im Energieverbrauch wirtschaftliche Produktion von Lebensmitteln und anderen Gütern möglich.

Die technologische Singularität
Der exponentiell zunehmende Wandel der Technoevovlution schränkt unsere Fähigkeiten ein, beziehungsweise macht es unmöglich, die Zukunft vorherzusagen, vor allem weil die künftigen Innovationen miteinander wechselwirken. Dadurch werden langfristige Vorhersagen blockiert; weshalb wir von heute aus nicht über den Horizont des 21. Jahrhundert hinausblicken können. Uns bleiben nur Hypothesen und gut begründete Spekulationen; Extrapolationen der vergangenen Entwicklung.
Computerleistung und Reisegeschwindigkeit werden so ziemlich zur gleichen Zeit ihren Zenit erreichen wie auch medizinische Alterrungsforschung, Klonen und Genmanipulation und die Miniaturisierung von Hightech-Produkten bis hin zur molekularen und atomaren Ebene (also Nanotechnologie). Automatisierte Maschinenbaukomplexe könnten die Technologie sehr schnell vorantreiben. Viele technische Bereiche werden dann in kurzer Zeit an die physikalischen Grenzen kommen. Am Scheitelpunkt selbst neigt die Kurve dazu, ins Unendliche zu gehen.
Falls sich die Dinge nicht sehr schnell verschlechtern, warten wir umsonst auf Unheil und Hoffnungslosigkeit; umsonst auf das Anschwellen der Meere und den Albtraum eines überkritischen Treibhauseffektes, auf geklonte Tyrannen, die Bevölkerungsexplosion und profitgierige, monströse, global agierende Superkonzerne.
Auch wenn einige Faktoren unsere Sicherheit bedrohen, dann doch nicht mehr allzu lange. Gut möglich, dass es am Ende des 21. Jahrhunderts gar keine Menschen mehr auf der Erde geben wird, aber das werden unsere Nachfahren genauso beklagen, wie wir den Verlust des Neandertalers.
Viele von uns werden die technologische Singularität noch erleben, denn sie wird nicht erst in 1 Megajahr, auch nicht „schon” in 1 Kilojahr und auch nicht im 24. Jahrhundert von Star Trek kommen, sondern noch weit vor Ende des 21. Jahrhunderts. Sehr wahrscheinlich werden die meisten von uns dann auch nicht mehr menschlich sein - jedenfalls nicht im heutigen Sinn. Gen- und Nanotechnologie, Computertechnik und Robotik werden unsere Fähigleiten und unser Wissen unglaublich potenzieren.
Weiterhin werden wir nicht die einzigen hochintelligenten Wesen auf diesem Planeten bleiben, Mitte bis Ende des 21. Jahrhunderts kann es eine große Anzahl selbst-bewusster, aber künstlicher Gehirne geben. Unsere Gesellschaft wird sich radikal von der heutigen unterscheiden, so wie sich unsere von der Steinzeit unterscheidet.
Das 3. Millennium wird viel verrückter, unvorstellbarer und seltsamer werden als Star Trek, Babylon 5, Star Wars und andere (Film-)Fiktionen. Das 21. Jahrhundert wird eine Epoche des Hyperschocks, in dem nichts mehr unserer heutigen Welt ähneln wird. Nichts wird mehr so sein, wie wir es gewohnt sind oder es erwartet haben. Die gegenwärtigen Sorgen und alle möglichen Lösungsansätze werden durch unglaubliche Veränderungen hinfällig; Veränderungen von einer Art, mit denen wir erst in vielen Kilo- oder Megajahren gerechnet haben.
Maschinen, Internet und menschlicher Geist werden in einer hybriden Mischng miteinander verbunden sein - zu einer hyperkomplexen Gestalt, die sich neu entwerfen wird, ihre strukturellen Defekte korrigiert und sich neue Fähigkeiten, mehr Speicher, mehr Prozessorleistung und bessere Programme aneignet - und das kurz nach der Singularität.

PS: Detlef Köhler hat auf seiner Seitehttp://dk.alien.de/ hinsichtlich ETIsse starke Indizien zusammengetragen!

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