Hi,
in die Zukunft reisen kann und tut jeder. Halt mit einer Geschwindigkeit von einer Sekunde pro Sekunde...
Aber halt. Natürlich ist gemeint, schneller als andere in die Zukunft zu reisen. Das ist vom physikalischen Grundverständnis kein Problem. Ich muß bloß eine Geschwindigkeit erreichen, die nahe an der Lichtgeschwindigkeit liegt.
Wenn ich mit 90 % der Lichtgeschwindigkeit 159 Tage lang (laut Borduhr) fliege, ist auf der Erde bereits ein Jahr vergangen. Bei 99 % muß ich nur noch 51 Tage lang unterwegs sein, bei 99,9 % gerade noch 16 Tage, um ein Jahr unterwegs zu sein. Hänge ich genug 9'en hinten dran, reise ich in einer Sekunde durch ein ganzes Jahr.
Das dumme ist nur, das der Rückweg ein Problem ist. Ich kann so schnell reisen, wie ich will, ich rase nur immer schneller in die Zukunft.
Dieses als Zeitdilatation bekannte Phänomen ist hinreichend bewiesen. Zum Beispiel in Teilchenbeschleunigern. Dort werden Isotope auf relativistische Geschwindigkeiten beschleunigt. Isotope haben eine sogenannte Halbwertszeit - diese erhöht sich im Beschleuniger, weil das Isotop aus unserer "unbewegten" Sicht einfriert. Ein weiteres Beispiel sind Myonen. Sie werden in den oberen Atmosphärenschichten in 10 km Höhe erzeugt, wenn Kosmische Strahlung dort einschlägt. Ihre Halbwertszeit ist so gering, das sie nicht einmal mit Lichtgeschwindigkeit - der höchsten möglichen Geschwindigkeit - imstande sind, den Erdboden zu erreichen. Tatsächlich aber lässt sich durch entsprechende Messungen belegen, das sie auf dem Erdboden prallen. Das ist nur deshalb möglich, weil die Eigenzeit der Myonen durch ihre hohe Geschwindigkeit eingefroren wird.
Zeitreisen in die Zukunft sind also nicht nur möglich, sind finden dauernd statt. Wir sind praktisch von Zeitreisenden umzingelt.
Na gut, nehmen wir mal an, wir verfügen über ein Raumschiff, das schnell genug fliegen kann. Jetzt können wir also in die Zukunft reisen. Aber wie zum Kuckuck kommen wir wieder zurück?
Tatsächlich gibt es ein paar ziemlich abgedrehte Erkärungsmodelle.
So könnten wir (sofern so etwas überhaupt existiert!) ein Wurmloch dafür benutzen. Ein Wurmloch ist eine Punkt-zu-Punkt Verbindung durch die Raumzeit. Hätte ich ein Wurmloch auf der Erde und eines auf dem Mond, so könnte ich (wenn ich sehr klein wäre, sagen wir mal, so groß wie ein Proton)
instantan - das heisst ohne Zeitverlust - von der Erde auf den Mond gelangen. Ungünstigerweise kommt der Name Wurmloch nicht von irgendwo - das Loch ist wirklich sehr, sehr klein. Wir würden sogenannte exotische Materie benötigen, das ist Materie mit einer negativen Energiedichte, um mit ihr das Wurmloch aufzustemmen. Würde uns all das gelingen, hätten wir schon mal eine prima Verbindung von, sagen wir mal, der Erde zum Mond. Jetzt könnten wir hingehen, und das Portal auf dem Mond in das vorher erwähnte Raumschiff packen. Fliege ich nun schnell genug mit dem Raumschiff, geschieht etwas erstaunliches: Aus der Punkt-zu-Punkt-Verbindung im Raum wird eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung in der Zeit. Ich könnte also mit dem Raumschiff und dem Wurmloch 1000 Jahre in die Zukunft reisen und durch das Wurmloch wieder zurück. Im Gegensatz zur Fernsehserie Stargate ist das ganze keine Einbahnstraße; diese Verbindung liessen sich in beide Richtungen nutzen. Schade ist nur, das wir halt nicht wissen, ob es Wurmlöcher gibt; nicht wissen, ob wir sie, selbst wenn sie existieren, herstellen können, und selbst, wenn wir sie herstellen können würde uns das nur was bringen, wenn wir exotische Materie erzeugen könnten. Wenn das alles klappt bleibt nur noch die Frage, ob so ein Wurmloch auch stabil ist...
Kurt Gödel wiederum hat eine andere Methode für eine Zeitreise berechnet. Unter der Voraussetzung, das unser Universum rotiert, könne man einmal einen Kreis um das Universum fliegen. Der Haken an der Sache ist nur, das wir Milliarden (!) Jahre unterwegs wären und bloß ein paar schlappe tausend Jahre in die Vergangenheit gelangen würden. Wem das zu lange dauert, der kann alternativ ein schwarzes Loch erzeugen, es zur Rotation bewegen und sich dann entgegen der Rotationsrichtung zum schwarzen Loch nahe an dessen Ereignishorizont, in einen sehr schnellen Orbit begeben. Warum einen die Gravitation des schwarzen Loches nicht in Stücke reissen soll, weiß ich nicht - Freiwillig vor!
Wenn man sich all diese Probleme anschaut, ist die Zeitmaschine, an der Prof. Mallet arbeitet, ziemlich harmlos. Man müsste bloß (sofern diese Zeitmaschine einmal funktionieren sollte) auf eine Temperatur nahe Null Grad Kelvin, dem absoluten Nullpunkt, eingefroren werden. Ich weiß, das ist unangenehm, aber besser als ohne Rückfahrkarte in der Zukunft festzustecken bzw. von den Gezeitenkräften eines schwarzen Lochs zerrissen zu werden. Naja, finde ich jedenfalls. Mallet nutzt, soweit ich das verstehe, Effekte, die in der Allgmeinen Relativitätstheorie erläutert werden. Dabei kreisen Laserstrahlen in entgegengesetzter Richtung Kreisförmig durch ein Bose-Einstein-Kondensat um den Zeitreisenden drumherum. Da nicht nur Masse, sondern auch Energie Gravitation erzeugt, sollte dies die Zeit zu einem Ring verbiegen, den man dann einfach nur noch abgehen müsste. Ich weiß, klingt ziemlich irre, aber ich bin der Sache mal bis auf der Seite seiner Uni gefolgt. Er ist tatsächlich Physikprofessor und arbeitet tatsächlich an einem solchen Experiment - das muß natürlich nicht heissen, das es dann auch funktioniert. Ein bisschen darüber schmöckern kann man, wenn man nach "Mallet" und "Zeitreise" googled. Alternativ kann man auch einen Blick hierauf werfen:
http://www.stern.de/wissenschaft/natur/552065.html
Hier eine Info, die von der Webseite der Universität von Connecticut selber stammt (ist ein bisschen verstaubt, zugegeben):
http://advance.uconn.edu/2001/010910/01091012.htm
Und hier Mallets Homepage auf der Universität:
http://www.phys.uconn.edu/~mallett/
Tja, das nur mal als kurze Zusammenfassung zum Thema. Natürlich könnte man viiiiiieeel mehr darüber schreiben, aber ich glaube, der Text ist hier schon lang genug
ciao
JM